Griesheim trotzt den Umständen und ringt Bachgau nieder
HSG Bachgau vs. TuS Griesheim 26:27 (13:14)

- 18.03.2026, 08:00
In der Welzbachhalle von Großostheim, geschniegelt und glänzend wie für einen besseren Handballabend gemacht, zeigte die TuS Griesheim, was einer Mannschaft auch dann bleibt, wenn Personal fehlt: Haltung, Widerstandskraft und ein Torhüter, der ein Spiel an sich ziehen kann. Mit 27:26 gewann das Team von Trainer Björn Friedrich bei der HSG Bachgau – in einer Partie, die bis in die letzten Sekunden von Spannung, Robustheit und taktischer Disziplin lebte.
Dabei war die Ausgangslage alles andere als bequem. Bachgau hatte sich vor eigenem Publikum im oberen Tabellenviertel der Oberliga festgesetzt, trat mit Selbstvertrauen auf und brachte genau jene Qualitäten ein, die einem Gegner den Rhythmus rauben können: einen flinken, beweglichen Rückraum, schnelles Umschalten und einen treffsicheren Rechtsaußen. Griesheim musste also nicht nur gegen eine eingespielte Heimmannschaft anspielen, sondern auch gegen deren Wucht und Tempo.
Dass die Gäste dennoch die besseren Argumente fanden, lag zunächst vor allem an Julius Gehring. Der Griesheimer Schlussmann lieferte eine Leistung, die ein Spielbericht kaum anders als überragend nennen kann: Zwölf Paraden bei 20 Würfen, eine Fangquote von 60 Prozent – Zahlen, die nicht nur beeindrucken, sondern die Bachgauer Offensive über weite Strecken geradezu zur Verzweiflung brachten. Immer wieder schob sich Gehring in Würfe, nahm freien Abschlüssen die Selbstverständlichkeit und gab seiner Mannschaft jene Ruhe, die in engen Auswärtsspielen häufig den Unterschied ausmacht. Auch Rufus Schreiner setzte starke Akzente zwischen den Pfosten und trug dazu bei, dass Griesheim defensiv Stabilität gewann.
Vorn war es vor allem Michael Melzer, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte. Der Rückraumspieler kam am Ende auf acht Treffer und traf insbesondere aus neun bis zehn Metern mit einer Souveränität, die auf der Tribüne hörbare Begeisterung auslöste. Melzers Würfe hatten nicht nur Präzision, sondern auch das Gespür für den richtigen Moment: Dann, wenn Bachgau gerade Zugriff zu bekommen schien, setzte er einen Treffer dagegen. Es war eine Leistung von hoher Reife.
Doch Griesheim verließ sich keineswegs allein auf Einzelaktionen. Auch Joschua Lugert am Kreis arbeitete sich mit Wucht und Timing in die Partie, band Gegenspieler und erzielte wichtige Tore. Jonas Dissinger sorgte im Rückraum ebenfalls für entscheidende Impulse. So entwickelte sich ein Spiel, in dem die Gäste nie dominierten, aber stets die passende Antwort fanden. Zur Pause lag Griesheim mit 14:13 vorne – eine knappe Führung, hart erarbeitet, getragen von Effizienz im Angriff und einem Torhüter, der längst zur zentralen Figur geworden war.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie offen. Bachgau drängte, beschleunigte, suchte über seinen beweglichen Rückraum immer wieder die Lücken. Doch wann immer das Spiel zu kippen drohte, war Gehring zur Stelle. Seine Paraden hielten nicht nur Bälle, sie hielten den Sieg fest. Griesheim verteidigte mit hohem Einsatz, blieb im Angriff mutig und rettete den Vorsprung über die Linie. Nach 60 Minuten stand ein 27:26, das sich nicht nach Zufall anhörte, sondern nach einem Abend harter Arbeit.
Bemerkenswert ist dieser Erfolg auch deshalb, weil Griesheim weiterhin mit personellen Problemen ringt. Jonas Ahrensmeier fehlte verletzt, Marvin Busch wird ebenfalls noch länger ausfallen. Umso höher ist dieser Auswärtssieg zu bewerten: als Sieg einer Mannschaft, die ihre Ausfälle nicht beklagt, sondern kompensiert.
Viel Zeit zum Genießen bleibt allerdings nicht. Für Griesheim wartet bereits die nächste große Aufgabe: Zu Hause geht es gegen den Spitzenreiter – nach derzeitigem Stand am kommenden Sonntag um 18 Uhr in der Großsporthalle am Felsenkeller. Nach einem solchen Abend dürfte die Vorfreude darauf noch einmal gewachsen sein.

